Lessons Learned Value-PreConstruction
Was passiert, wenn ein Team die Art, wie Projekte entstehen, grundlegend hinterfragt?
In den vergangenen 13 Monaten hat das Team der Sustina AG einen integralen Arbeitsprozess durchlaufen.
Herausgekommen ist dabei nicht nur die Entwicklung eines Wohnquartiers in Essen-Kupferdreh, sondern ein Prozess, der zeigt, wie sich Unternehmen und Partnerschaften entwickeln können, wenn sie den Mut haben, integraler zu arbeiten und dabei sich selbst und ihre Standards zu hinterfragen.
Unser Résumé der Value-PreConstruction-Phase zeigt, wie unter strengen Kostenvorgaben ein Quartier mit 80% geförderten Wohnungen geplant werden kann. Mit ästhetischem Anspruch, hoher Wohnqualität und bereits heute großem Interesse potenzieller Mieter*innen.
Die Herausforderung ist klar und groß:
Ein Bausektor, der für rund ein Drittel unserer globalen Emissionen verantwortlich ist. Gleichzeitig wächst der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Und die Planungsprozesse, die beides adressieren sollen, sind oft zu langsam, sehr fragmentiert, zu wenig abgestimmt und stehen damit guten Lösungen auch im Weg.
Wie muss Quartiersplanung aussehen, damit sie auf das große Spannungsfeld an Anforderungen eingeht und Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen findet?
Wir suchen die Antwort unteranderem im Prozess.
Die Entwicklung der Value-PreCon
Der Ansatz der Value-PreCon (kurz für Value PreConstruction-Phase) beschreibt eine Mischung aus den Ansätzen einer Pre-Construction-Planung und dem Value Engineering. Der Fokus aller Mitstreitenden liegt auf nachhaltiger Wertschöpfung sowie interdisziplinärer und iterativer Arbeit.
„Wir machen das, was sinnvoll ist. Zu dem Zeitpunkt, der sinnvoll ist.“
sagt Sebastian Sehr als leitender Architekt und Sustina-Vorstand.
Er beschreibt damit schon einen entscheidenden Teil unseres radikalen Perspektivwechsels:
- weg von linearen Prozessen
- weg von Silodenken
- hin zu wertschätzender Zusammenarbeit
- hin zu guten planerischen Lösungen
Wie funktioniert dieses Team?
Statt klassischer Hierarchien entstand die Projektstruktur eines „Unternehmen auf Zeit“. Das ist ein Team aus Architekt*innen, Ingenieur*innen, Bauunternehmen und Fachplaner*innen (intern und extern), die auf Augenhöhe und parallel am selben Projekt arbeiten. Auch das Generalunternehmen plant mit.
Dieses „Unternehmen auf Zeit“ verband nicht ein Vertrag, sondern ein gemeinsames, schriftlich festgeschriebenes Verständnis zur Qualität der Zusammenarbeit. Der Kerngedanke ist: „Best for Project“ als Grundlage für die gemeinsame Arbeit. So förderten und forderten wir mehr Vertrauen und Transparenz, weniger Kontrolle und Alleingänge. Nicht nacheinander. Sondern miteinander. Zusammen und insgesamt auch einfacher und direkter.
Die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven brachten in kürzerer Zeit mehr Fachwissen zusammen und so wurden wir in der Entscheidung qualitativ besser und schneller.
Planung als Lernprozess? Das geht.
Was diesen Ansatz besonders und wichtig für uns macht: Wir verstehen Projektplanung fortan nicht mehr als den einen linearen Ablauf, sondern als Entwicklungsraum.
Wie ist das gemeint?
Die Bausteine einer Entwicklungsphase sind wichtig und zentral: Ideen entstehen lassen. Ideen verwerfen. Wieder neu denken. Besser machen. Das ist essenziell. So entstehen die Lösungen.
Variantenstudien, gemeinsame Workshops und offene Diskussionen haben uns im Prozess begleitet. All das sahen wir nicht als „Mehraufwand“, sondern als ein Weg, um Abstimmungsschleifen zu verkürzen und unnötige Fehler zu vermeiden.
Die letzten Monate waren intensiv und wir mussten verstehen, dass nicht auf Anhieb alles funktioniert:
- Der Prozess hat eine hohe Komplexität
- viele Abstimmungsschleifen waren dennoch nötig
- Unsicherheiten bei Kosten und Timing tauchten trotzdem auf
- Und ja – natürlich gab es auch Rückschläge
Das Value-PreCon-Team hat immer reflektiert. Wir wollten ein Modell für wirtschaftliches und nachhaltiges Planen entwickeln.
- Prozesse wurden stetig hinterfragt und angepasst
- Zusammenarbeit neu definiert, basierend auf praktischer Erfahrung
- Wissen systematisch aufgebaut und dokumentiert
Für die Schaffung von Wohnraum, der bezahlbar und hochwertig ist, in dem Menschen zusammen und vielfältig leben können.
Die Value-PreCon ist dadurch mehr als ein Einzelfall-Ansatz. Für uns ist sie eine Blaupause für zukünftige Projekte und die Art, wie wir mit anderen arbeiten wollen.
Wir sind stolz und dankbar
Die Baugenehmigung für das Projekt Deilegrund kam in der Rekordzeit von acht Monaten. Spatenstich ist diesen Sommer.
Die Entwicklung von Sustina zeigt etwas Entscheidendes:
Unternehmen entwickeln sich nicht durch das Strategiepapier, sondern durch die Art, wie Menschen zusammenarbeiten.
Zusammenarbeit und Kultur ist ein entscheidender Hebel für Qualität und Erfolg
- Frühzeitige Einbindung aller Perspektiven schafft bessere Ergebnisse
- Transparenz reduziert Fehler und fördert einen konstruktiven Umgang mit Reibung
- Vertrauen und Verantwortung beschleunigten Prozesse
- Gemeinsame Werte machen komplexe Entscheidungen möglich
Wir müssen den Lernraum der sich uns eröffnet hat weiter nutzen. Ihn möglichst vielen Menschen zugänglich machen und unser Wissen teilen. Die Value-PreCon bleibt ein System für Zusammenarbeit und Wertschöpfung, das weiterentwickelt und skaliert werden möchte.
Oder wie es im Team formuliert wurde:
Die Bauwende braucht neue Antworten. Und genau daran wird hier gearbeitet.



